…so oder so ähnlich könnte man die Situation an Thüringens einziger Uniklinik – dem Ausbildungsort von etwa 2.000 zukünftigen Ärztinnen und Ärzten – sehr treffend umschreiben.

Aus diesem Grund haben sich alle 14 gewählten Vertreter der Medizinstudierenden im Fakultäts-und Fachschaftsrat, sowie in den Kommissionen am Universitätsklinikum Jena mit einem Brief an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow gewandt.



In der aktuellen Situation fehlt uns ein wichtiger Ansprechpartner innerhalb der Fakultätsleitung. Es gibt einige Probleme in der Ausbildung der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte, die dringend gelöst werden müssen. Ohne einen Dekan fehlt der Fakultät dafür, auch gegenüber dem Klinikumsvorstand, die nötige Handlungsfähigkeit.

Florian Hickl, Mitglied im Fakultäts- und Fachschaftsrat

Zu den von uns bemängelten Problemen gehört, neben Verbesserungsbedarf in der ärztlichen Ausbildung auch die Akzeptanz der Studierenden am Universitätsklinikum, die eine maßgebliche Auswirkung auf dessen Attraktivität als Arbeitgeber hat. So antworten aktuell nur 11% der Studierenden auf die Frage, ob sie später am UKJ arbeiten möchten, mit „Ja“. Dieselbe Umfrage zeigte, dass der einzelne Studierende sich lediglich bruchstückhaft und zwar zu nur 28% als akzeptiertes Mitglied des UKJ fühlt. Ursächlich dafür sehen wir vor allem den geringen Stellenwert der studentischen Ausbildung im klinischen Alltag an.


Weitere Infos zu den Ergebnissen der von uns durchgeführten Umfragen findet ihr HIER.


Wie sollen wir ohne eine qualitativ hochwertige Ausbildung zukünftig eine angemessene Versorgung der Bevölkerung sicherstellen?

Zitat aus dem Brief an den Ministerpräsidenten

Wir befürchten, die Situation der ärztlichen Ausbildung am Universitätsklinikum Jena könnte sich in Zukunft weiter verschlechtern und nicht mehr tragbare Zustände erreichen, wenn hier nicht unter der Leitung eines fähigen Dekans gegengesteuert wird.

Die Landesregierung nimmt mit ihrer Entscheidung, die Verhandlungen zur Besetzung des Dekansamtes zu beenden, die offensichtlich fatalen Folgen ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Das ist ein katastrophales Signal an alle angehenden Ärztinnen und Ärzte, die sich nun genau überlegen müssen, ob sie sich für den Standort Thüringen entscheiden.

Clara Hübner, Mitglied im Fakultätsrat

Neben den bisher genannten Problemfeldern erwarten wir auch schwerwiegende Hindernisse für die Ausgestaltung der wissenschaftlichen Arbeit am Universitätsklinikum Jena, die durch die aktuelle Situation verursacht werden. Ebenso leidet natürlich die Reputation als Forschungsstandort, national wie international.

In unserem Schreiben fordern wir den Ministerpräsidenten deshalb dazu auf, auf eine schnelle Lösung der verfahrenen Situation der Dekansbestellung hinzuwirken und gravierende Schäden für die Ausbildung der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte, die medizinische Forschung in Thüringen und das Ansehen des UKJ abzuwenden.

Hintergrund:

Am 15. April hat Staatssekretär Markus Hoppe die Vertragsverhandlungen mit dem vom Fakultätsrat gewählten Kandidaten Prof. Dr. Andreas Hochhaus für gescheitert erklärt. Momentan gibt es somit keinen stimmberechtigten Vertreter der Forschung und Lehre im Vorstand des Universitätsklinikums. Zudem enden im Herbst diesen Jahres die Amtszeiten der Prodekane, die unter der Gesamtverantwortung des Dekans für die Ressorts Forschung, sowie Lehre und Studium verantwortlich sind. Es ist unklar, wie deren Nachfolger bestimmt werden sollen, da sie laut Thüringer Hochschulgesetz vom Dekan vorgeschlagen werden müssen.

Weitere Links und Infos:



Pressemitteilung der Landesärztekammer (externer Link)

Bericht bei JenaTV (externer Link)

Bericht auf jezt.de (externer Link)